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“Die Show gehört den Spielern, nicht dem Trainer”

Uzwil-Trainer Sokol Maliqi über Aufstiegschancen, seine Ambitionen für die Zukunft und weshalb der Trainer nie der Star sein sollte.

Mehrere Jahre lang war Sokol Maliqi als Trainer im Zürcher Regionalfussball tätig. Seit Januar 2018 coacht der frühere Profi den FC Uzwil in der Zürcher Interregio-Gruppe 6. Im Interview spricht er darüber, wieso der fünfte Tabellenrang keine Enttäuschung ist, was seine Ziele für die Rückrunde sind und wie er die Entwicklung des Fussballs generell sieht.

Sokol Maliqi, Sie sind seit zwei Jahren ausserhalb unserer Region beim FC Uzwil tätig. Was sind die Unterschiede zu Ihren früheren Jobs in Gossau, Dübendorf und Schwamendingen? Müssen Sie die Spieler anders führen?
Ja, definitiv, jedoch nicht der Region wegen. Ich habe erfahrene Spieler im Kader und ehemalige Profis. Solche Spieler führe ich zum ersten Mal. Ohnehin waren alle Aufgaben bis anhin sehr unterschiedlich. Und überall konnte ich viel lernen. Einen regionalen Unterschied gibt es vielleicht doch: Die Ostschweizer sind einfach etwas fussballinteressierter als die Zürcher.

Der FC Uzwil hat einige prominente Namen im Kader und zählt wiederholt zum Favoritenkreis. Trotzdem überwintert er “nur” auf Platz 5. Der Hafetschutter reihte den FCU deshalb sogar unter die Enttäuschungen der Gruppe 6 ein. Uzwil bringe seit Jahren die PS seiner Spieler nicht auf den Rasen, steht geschrieben. Einverstanden?
Natürlich darf das der “Hafetschutter” von aussen so sehen. In meinen Augen ist das nicht so. Gerade in meiner ersten Rückrunde im Frühling 2018 haben wir so ziemlich gegen alle Gegner gewonnen, bis wir am grünen Tisch (Linth-Spiel) gestoppt wurden. Schlussendlich erreichten wir den 3. Tabellenrang. Auch haben wir uns für den Cup qualifiziert.

 

Und in der Saison 2018/19?
Da hatten wir eine schlechte Vorrunde und sind klar unter den Erwartungen geblieben. Schlussendlich rangierten wir auf Platz 4 und aktuell liegen wir auf Platz 5. Natürlich haben wir Luft nach oben, doch von “Enttäuschung” zu sprechen, ist etwas hart.

Wird es denn noch möglich sein, ein Wörtchen um den Aufstieg mitzureden?
Unser oberstes Ziel ist es, eine Mannschaft aufzubauen, die in den nächsten Jahren die namhafte Generation erfolgreich ersetzen kann. Ob wir noch um den Aufstieg mitreden können, hängt ganz davon ab, wie nun Chur 97 mit seiner neuen Rolle als Leader zurechtkommt. Wir werden auf jeden Fall in jedem Spiel ein starker Widersacher sein.

Blicken wir über die aktuelle Saison hinaus: Sie spielten als Profi für Luzern, Vaduz und Wil und waren auch in Zypern engagiert. Jetzt sind Sie schon seit einigen Jahren Trainer im Amateurfussball. Haben Sie Ambitionen, es auch als Trainer in den Profibereich zu schaffen?
Ich liebe es, Trainer einer Fussballmannschaft zu sein und ich möchte es nicht missen. Ich glaube, dass meine Fähigkeiten und Neigungen am besten als Trainer zum Tragen kommen. Ich würde sagen, das kann ich am besten. Ja, es ist meine Berufung. Deshalb würde ich es gerne in den Profibereich schaffen, jedoch müsste die Herausforderung wirklich passen.

Nur ein Bruchteil der Fussballspieler schafft es in den Profifussball. Ist es nicht noch viel schwieriger, sich im Trainerbereich ganz oben zu etablieren?
Das ist sicherlich so. Es gibt viel weniger freie Plätze als Trainer wie als Spieler. Jedoch ist das Handlungsfeld des Trainers viel grösser. Es braucht Sozialkompetenz, Intuition, Inspiration, kommunikative Fähigkeiten, natürlich Ahnung von Fussball und vieles mehr. Gewisse Fähigkeiten müssen gegeben sein, doch in vielen Bereichen kann man sich verbessern und somit andere Trainer auch überholen.

Vom Fussball leben kann man unter Umständen auch im Nachwuchs-Spitzenfussball. Wäre das auch ein möglicher Schritt für Sie?
Ja, absolut. Ich habe von diversen Spielern meiner Mannschaften gehört, dass ich ein toller U18- oder U21-Trainer wäre. Ich denke, dass ich ein gutes Gespür für junge Menschen habe, ich kann mich gut in ihre Situation hineinversetzen. Das gelingt mir auch im Berufsleben immer wieder.

Apropos Nachwuchs: Bei den Trainertypen wird gerne mal vom Ausbildner oder vom Verwalter, der eine eher gestandene Mannschaft lenkt, gesprochen. Wo sehen Sie sich?
Ich bin überzeugt, dass ich beides kann. Als ich als Trainer begonnen habe, nahm ich mir vor, ein Trainer für jede Aufgabe oder jeden Verein zu werden. Grundsätzlich bin ich jedoch schon eher der Ausbildner. Ich möchte jeden Spieler verbessern, fussballerisch wie auch menschlich. Nur Verwalten ist doch langweilig und man bleibt selber stehen. In Uzwil zum Beispiel stehen permanent vier bis fünf sehr junge Spieler in der Startformation.

Sokol Maliqi und Assistenz-Trainer Patrick Germani an der “Nacht des Ostschweizer Fussballs” (Bild: zvg).


Und generell: Wie sehen Sie die Entwicklung des Fussballs. Im welchem Bereich hat er sich verändert?
Der Fussball ist schneller, robuster und taktisch geprägter geworden. Ich habe den Eindruck, dass die Trainer heutzutage die Stars sein wollen. Dass jeder Spieler sich genau so zu verhalten hat, wie der Trainer es sich vorstellt. Dadurch sind alle Teams sehr gut organisiert.

Bringt das auch Nachteile mit sich?
Das Kreative oder Überraschende wird zu wenig gefördert. Heute gibt es viel weniger Dribbler oder Aussenristkünstler als noch vor 20 Jahren. Es hat kaum noch Platz für Individualität, es geht nur noch ums Ergebnis. Dazu gibt es so viele Spiele, dass Spitzenteams, wenn sie in Führung liegen, automatisch einen Gang zurückschalten – zu Lasten des Spektakels. Es gibt nicht viele Teams in Europa, die einen schönen Fussball zelebrieren. Die Zuschauer gehen ins Stadion, um unterhalten zu werden, wollen Tore und verrückte Dinge sehen. Die Show gehört den Spielern, nicht den Trainern. Zinedine Zidane ist da ein grossartiges Beispiel.

Und um das Bild noch zu komplettieren: Was für Eigenschaften braucht ein Trainer heute, um glaubwürdig und erfolgreich zu arbeiten?
Wie es das Wort “glaubwürdig” schon sagt, man muss an den Trainer glauben können. Er sollte loyal zu den Spielern sein und sie alle verbessern können. Der Trainer sollte sich immer treu bleiben, sogenannt authentisch. Niemanden versuchen zu kopieren. Lernfähigkeit ist sicher ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Er sollte seine Spieler gut kennen und seinen Klub immer respektieren, genauso die Medien. Ich denke, Jürgen Klopp verbindet all diese Dinge und hat sich mittlerweile zum weltbesten Trainer entwickelt.


Der in Zürich-Schwamendingen aufgewachsene Sokol Maliqi (38) spielte als Fussballprofi unter anderem beim FC Luzern, APEP Pitsilia (Zyp), FC Vaduz und FC Wil. Seine Trainerlaufbahn nahm 2009 in der höchsten Liga Zyperns ihren Anfang: Einen Monat leitete der damals 28-Jährige APEP Pitsilia als Spielertrainer. Später coachte der schweizerisch-kosovoalbanische Doppelbürger den FC Schwamendingen, FC Dübendorf und FC Gossau ZH, bevor er auf die Rückrunde der Saison 2017/2018 hin zum FC Uzwil stiess.

 

Den Originalartikel finden Sie hier.